Viele gehen davon aus, dass Fehler das größte Risiko sind. Tatsächlich sind es oft die
stillschweigenden Annahmen, die sich später als teuer herausstellen. Institutionelle
Akteure treffen täglich Entscheidungen auf Basis von Grundannahmen – zum Markt, zu
Zinssätzen, zu regulatorischen Rahmenbedingungen. Doch was, wenn eine dieser Annahmen
nicht mehr gilt?
Ein klassisches Beispiel: Die Annahme stabiler Zinsen. Über
Jahre hinweg können sich Routinen entwickeln, die auf konstanten Rahmenbedingungen
basieren. Kommt es jedoch zu einer überraschenden Änderung, entstehen teils erhebliche
Risiken für bestehende Strukturen. Das Problem: Annahmen werden selten explizit gemacht.
Sie schleichen sich in Prozesse ein und werden erst sichtbar, wenn etwas schiefläuft.
Unsere
interne Praxis sieht daher vor, alle relevanten Annahmen systematisch zu identifizieren
und zu dokumentieren. In Workshops werden Annahmen gemeinsam im Team kritisch geprüft.
Ziel ist es, Schwachstellen frühzeitig aufzudecken und Anpassungen vorzunehmen, bevor
negative Folgen eintreten. So lässt sich das Risiko unangenehmer Überraschungen deutlich
reduzieren.
Warum bleiben Annahmen oft unbemerkt? Zum einen, weil sie Teil des täglichen Handelns
werden. Zum anderen, weil niemand gern eingesteht, dass man auf Sand baut. Gerade in
hierarchischen Organisationen fehlt oft die Offenheit, Annahmen offen zu hinterfragen.
Führungskräfte sind gefordert, eine konstruktive Fehlerkultur zu fördern. Dazu gehört,
dass Zweifel und kritische Fragen ausdrücklich erwünscht sind.
Methodisch
empfiehlt sich ein strukturierter Ansatz: Annahmen werden nicht nur gesammelt, sondern
auch regelmäßig überprüft. Hilfreich sind Checklisten und externe Audits, um
Betriebsblindheit vorzubeugen. Zudem kann es sinnvoll sein, Annahmen zu priorisieren –
nicht jede ist gleich kritisch. Ziel ist, Ressourcen auf die wichtigsten Unsicherheiten
zu konzentrieren.
Das Ergebnis ist kein statischer Zustand. Annahmen müssen
laufend angepasst und überprüft werden, insbesondere bei veränderten Marktbedingungen.
Wer dies als laufenden Prozess versteht, reduziert das Risiko schleichender
Fehlentwicklungen.
Ein häufiger Irrtum: Die Dokumentation von Annahmen ist reine Bürokratie. Tatsächlich
schafft sie Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Nur so können Teams aus Fehlern lernen
und Prozesse gezielt verbessern. Ein wichtiger Teil ist die Kommunikation: Annahmen
sollten nicht nur im kleinen Kreis diskutiert werden, sondern auch an relevante
Schnittstellen weitergegeben werden.
Wichtig: Selbst die beste Dokumentation
ersetzt nicht die kritische Reflexion. Unsere Erfahrung zeigt, dass regelmäßige
Workshops und Feedbackschleifen den größten Mehrwert bringen. Dabei werden auch externe
Sichtweisen einbezogen, um blinde Flecken zu vermeiden.
Fazit: Annahmen sind
unvermeidlich, aber sie müssen sichtbar und überprüfbar sein. "Vergangene Ergebnisse
sind keine Garantie für zukünftige Entwicklungen." Nur wer Annahmen ernst nimmt, kann
Risiken realistisch einschätzen und wirkungsvoll managen.